Glossar: Yoga, Qi Gong und Tai Chi

Qi Gong

Qi Gong ist ein moderner chinesischer Begriff für eine Vielfalt von Traditionen des kunstvollen Umgangs mit Qi (Lebensenergie). Die Entwicklung der Qi-Praxis und ihrer Theorie lässt sich zurückverfolgen auf schamanische Riten und Tänze, auf heilkundliche und alchemistische, sowie auf spirituelle, religiöse und philosophische Zusammenhänge. In den asiatischen Kampfkünsten stellt das Qi Gong einen wichtigen Aspekt der Übung und Entfaltung innerer wie äußerer Kräfte dar. Allgemein unterscheidet man Dong Gong (bewegtes Qi Gong) und Jing Gong (stilles Qi Gong).

Qi Gong wird als Übungsweise geschätzt, als Weg der Entfaltung individueller Lebendigkeit und Kreativität. Es ist ein ursprünglicher Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und eine erfolgreiche Selbstheilungsmethode. Im Selbstverständnis des Qi Gong liegt es, dass es sich auf alle Ebenen des menschlichen Seins auswirkt. So kann Qi Gong ein Weg oder eine Lebensbegleitung sein. Qi Gong wurde auch als Heilmethode im Sinne der Regulierung von Disharmonien genutzt. Allen Übungsformen gemeinsam ist es, die Präsenz im gegenwärtigen Moment zu stärken, den eigenen Qi-Fluss wahrzunehmen und ihn sich in ein dynamisches Gleichgewicht wandeln zu lassen.

Tai Chi

Tai Chi Chuan ist eine Verbindung von Meditation, ganzheitlicher Gesundheitsübung und innerer Kampfkunst. Achtsamkeitsschulung verbessert die Fähigkeit zur Konzentration und zur Wahrnehmung des eigenen Körpers, um ihn effektiv und ohne unnötigen Kraftverlust einsetzen zu können. Körper und Geist wirken zusammen. Der Körper wird beweglicher, die Atmung vertieft sich und der Geist wird ruhiger und klarer. In langsamen und fließenden Bewegungsabfolgen (Formen) wird geübt, Bewegung und Ruhe zu verbinden. Partnerübungen helfen, die Bewegungsprinzipien besser zu verstehen.

Tai Chi Chuan als innere Kampfkunst ist eine körperliche und geistige Schulung, in der wir lernen, wie innere und äußere Konflikte entstehen und durch welches Verhalten wir sie auflösen können. Tai Chi schreibt man auch "Taijiquan" oder "Taiji-Quan". "Schattenboxen" ist eine chinesische Bewegungskunst, die auf Kampfkunst basiert (Wushu/ Wu Shu/ Kungfu/ Kung Fu/ Martial Arts). Neben den vielen modernen Varianten bestehen weiterhin die bewährten traditionellen, authentischen Formen des Wushu (Wu-Shu) und der Traditionellen Chinesischen Medizin. Sehr verbreitet ist weltweit der Yang-Stil-Tai-Chi. Altmeister Yang Chengfu hat um 1930 Standards dafür entwickelt.

Yoga

Yoga ist eine sehr alte indische Tradition, die viele philosophische Strömungen und Übungsweisen umfasst. Klassischerweise beinhaltet Yoga als praktische Übungsmethode 8 Glieder: ethisches Verhalten (Yamas und Niyamas), körperliche Stellungen (Asanas) und Atemtechniken (Pranayama), sowie meditative Techniken der Sammlung (Pratyahara), der Konzentration (Dharana) und der Versenkung (Dhyana), die schließlich zu einem klaren Geisteszustand (Samadhi) führen.

Heutzutage geben Yoga-Übende als gängige Ziele oft z.B. den Wunsch nach Verbesserung der eigenen Befindlichkeit an, nach Stressabbau bzw. Entspannung, Vergrößerung der Beweglichkeit, Fitness, Reduzierung von Rücken-, Kopf- und sonstigen Schmerzen. Aber auch der Wunsch nach Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit, Sammlung, Ausgeglichenheit, Zu-sich-Selbst-kommen etc. wird genannt. Immer wird hierbei impliziert, dass eine Veränderung angestrebt wird, hin zum Besseren. Ganz allgemein kann man also sagen, dass es in Yoga um Veränderung geht.

Laut einer Umfrage der Zeitschrift Focus praktizieren in Deutschland zur Zeit 2,5 Millionen Menschen regelmäßig Yoga und 80 Prozent der Deutschen geben an, dem Yoga positiv gegenüber zu stehen. Der in den westlichen Ländern meist praktizierte Yoga ist der Hatha-Yoga („hatha"= Kraft, Ausdauer, Energie). Hatha Yoga ist ein Oberbegriff für körperbezogenes Yoga und wenn allgemein von „Yoga" gesprochen wird, ist meist Hatha-Yoga gemeint.

Nahezu alle im Westen praktizierten Yogastile beziehen sich auf oben genannten acht Glieder des Yoga, interpretieren sie jedoch in der Praxis unterschiedlich.

Im folgenden eine Übersicht über verschiedene Yogastile:

Ashtanga-Yoga

Der Inder Sri Krishna Pattabhi Jois (geb. 1915) entwickelte eine sehr kraftvolle und dynamische Form des Hatha-Yoga. Es werden vorgegebene, sehr fordernde dynamische Reihen im indischen Stil geübt, die einzelnen Asanas oft durch Sprünge miteinander verbunden.

Bikram-Yoga

Begründet von Bikram Choudhoury. Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Yoga-Stilen besteht darin, dass eine dynamische Serie von 26 Übungen bei einer konstanten Raumtemperatur von 38 bis 40 (°C) durchgeführt wird. Weitere Besonderheit ist, dass Übende sich während der 90 Minuten dauernden Yoga-Stunde in Spiegeln betrachten können. Körperhaltungen sollen so korrigiert werden können. Die Ausübung der kreislaufintensiven Yoga- Haltungen setzt eine gewisse gesundheitliche Stabilität voraus.

Iyengar-Yoga

Der Inder B.K.S. Iyengar (sprich: aiyengar) begründete diesen kraftvollen Yogastil. Seine langjährige Beschäftigung mit Ausführung und Wirkung von Körperhaltungen (Asanas) und Atemübungen (Pranayama) führten zu einer weltweiten Verbreitung dieses Stils. Iyengaryoga erlaubt auch im Gruppenunterricht einen individuellen Zugang auf die Bedürfnisse der Übenden. Typisch ist die Verwendung von Hilfsmitteln, wie z.B. Gurten, Klötzen, usw. und bei Bedarf werden die Übungen in Zwischenschritte aufgeschlüsselt. Die Asanas werden lang gehalten und auch einige Male wiederholt.

Jivamukti-Yoga

Wurde von der Tänzerin Sharon Gannon und dem Künstler David Life in den 80er Jahren in New York entwickelt. Jivamukti heißt übersetzt soviel wie „die Befreiung der Seele" und ist eine moderne Form des Hatha Yoga. Ineinander fließende tänzerische Körperübungen wechseln mit Gesängen und spezieller Atemtechnik. Ziel ist: mentale Stärke und Ausgeglichenheit zu entwickeln.

Kundalini-Yoga

Kundalini Yoga beinhaltet Asanas, Mantras, Pranayama und Meditaton (wobei der Schwerpunkt bei der Atmung und dem Singen liegt) um die Kundalinienergie zu wecken und die Chakras zu aktivieren. Es ist besonders für spirituell interessierte Menschen geeignet. Begründer: Yogi Bhajan hat Kundalini Yoga im Jahre 1969 in den Westen gebracht.

Sivananda-Yoga

Eine umfassende, sehr traditionelle Form des Yoga, nach Yogameister H.H. Swami Sivananda (1887-1963). Basis bilden 12 Grund-Asanas, aber fünf gleichwertige Prinzipien: richtige Entspannung, richtiges Üben, richtige Atmung, richtige (vegetarische) Ernährung, positives Denken, Meditation und Gebete. Es handelt sich hier um eine spirituelle Yogarichtung. Rechte Übung (Asana), rechter Atem (Pranayama), rechte Entspannung, rechtes Denken und rechte vegetarische Ernährung kennzeichnen Sivananda Yoga.
Die Sivananda Yoga Vedanta Zentren wurden von Swami Vishnudevananda (1927-1993) gegründet, ein enger Schüler des Yogameisters und Arztes Swami Sivananda.

Tao Yin Yoga

So wird das chinesische Yoga, das ähnliche Elemente wie das indische Hatha-Yoga hat, bezeichnet. Beim Tao Yin Yoga werden vor allem die dynamische Beweglichkeit, innere Kraft und Elastizität der Bänder und Sehnen betont. Im Mittelpunkt steht die Atemlenkung, Tiefenentspannung und Stärkung des Bauchbereiches und der Wirbelsäule. Tao Yin (chin. für „beugen und strecken") bietet die Grundlage für Tai Chi, Qigong und für längere Meditationen.

TriYoga®

TriYoga® wurde von der Amerikanerin Kali Ray begründet. Es verbindet Asanas (Positionen), Pranayama (Atmung) und Handmudras zu fließenden Sequenzen ("Flows") zur Erweckung der Lebensenergie "Prana". Der Begriff TriYoga® steht für das Streben nach der Drei-Einheit von Körper, Geist und Seele.

Vijñana Yoga - practicing from inside©

Vijñana Yoga wurzelt in der nordindischen Yogatradition. Dona Holleman, nahe Schülerin von B.K.S. Iyengar, brachte als eine der ersten diese Tradition in den Westen und entwickelte über lange Jahre ihr tiefes Verständnis über den Körper weiter. Ihre Schülerin Orit Sen Gupta erweiterte diesen Ansatz, indem sie die yogischen Glieder der Meditation und des Textstudiums integrierte, die diesem Yoga eine achtsame und reflektierende Dimension hinzufügten. Vijnana Yoga verbindet dynamisches, anspruchsvolles Üben mit Achtsamkeit und innerer Stille. Dadurch wirkt es kraftvoll und sanft zugleich. Die Haltungen werden von der Körpermitte aus entwickelt, um zu heilsamer und intergrierter Bewegung zu finden, was sich schließlich auch auf das Verhalten im Alltag auswirkt.

Viniyoga

Viniyoga wurde von T.K.V. Desikachar entwickelt. Viniyoga ist ein Sanskritwort und setzt sich aus Niyoga (Verwendung) und der Vorsilbe Vi (steht für "Vife'fa" = besonders) zusammen. Der Begriff Viniyoga hat also die Bedeutung "besondere Verwendung" oder "besondere Anwendung". In sorgfältig aufgebauten Übungen wird viel Aufmerksamkeit auf die individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten des Übenden gerichtet, dabei spielt das richtige, gut abgestimmte Zusammenwirken von Körper und Atem eine große Rolle. Viniyoga wird meist im Einzelunterricht weitergeben.

Vinyasa Yoga

Die Wurzeln von Vinyasas Yoga finden sich im traditionellen Ashtanga Vinyasa Yoga und ist somit ein sportlicher Yogastil. Im Vinyasa Yoga werden die statischen Asanas zu Sequenzen verbunden; die fließenden Bewegungen werden mit der Atmung synchronisiert. Es ist sozusagen die kreative Variante zu Ashtanga Yoga, da es keine fixen Serien gibt. Vinyasa Klassen sind unesoterisch und undogmatisch und lassen Raum für die Einzigartigkeit der TeilnehmerInnen. Vinyasa ist die bewusste Entscheidung nicht gegen Dinge anzukämpfen, die ohnehin nicht in unserer Hand liegen, damit wir Energie genug haben, all das zu ändern, das wir ändern möchten. Kurz könnte man Vinyasa Yoga als Meditation in Bewegung beschreiben: die Verbindung von Innen und Außen, von Absicht und Bewegung.